Was bringt Psychotherapie?

Corona, Krieg und Klimakrise labilisiert die Psyche vieler Menschen. Bei vielen sind die Belastungsgrenzen längst überschritten und sie leiden unter diffusen Ängsten, Einsamkeit und Depressionen. Da kann eine Psychotherapie wertvolle Dienste leisten und gut tun. Aber wie findet man aus der verwirrenden Vielfalt von Angeboten eine gute Psychotherapeutin bzw. Psychotherapeuten?



Was dabei zu Recht die Bezeichnung «Psychotherapie» trägt, ist oft nur ein kleiner Teil im Vergleich zum riesigen Markt des «Psychobooms», auf dem selbsternannte Therapeuten Etikettenschwindel betreiben und mit ungerechtfertigten Heilsversprechungen gutgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen.

Welche Therapieformen helfen wirklich? Worauf müssen Sie achten?


In der Regel geht es in einer Psychotherapie um die systematische Beschäftigung mit dem eigenen Erleben, Denken, Fühlen und Verhalten - mit dem Ziel bestehende Probleme zu lösen, zu bessern, zu lindern oder zumindest einigermassen handhabbar zu machen.

Im Verlauf der über 100-jährigen Therapiegeschichte beschränke ich mich auf die fünf bedeutsamsten Therapieformen, welche den Blick auf unterschiedliche Phänomene lenken aber auch manche Gemeinsamkeiten aufweisen:



Verhaltenstherapie


Die moderne Verhaltenstherapie ist ein vergleichsweise «junges» therapeutisches Verfahren mit vielen Vorzügen. Sie ist besonders für Personen geeignet, die bei ihren derzeitigen Schwierigkeiten rasch vorankommen möchten und Wert darauf legen, dass der Therapeut aktuellen Behandlungsstandards folgt und effektive Methoden in einem nachvollziehbaren Therapiekonzept einsetzt.

Wenn Sie dann noch die Therapie als ihr eigenes Veränderungsprojekt begreifen und - mit Anregung und Unterstützung des Therapeuten - aktiv mitarbeiten, gibt es gute Aussichten auf dauerhaften Erfolg.

Die moderne Verhaltenstherapie ist bei Ängsten, Depressionen, Zwangserkrankungen, PTBS, Burnout, Partnerschaftsproblemen, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen und vielen weiteren Problemen und Schwierigkeiten besonders gut geeignet.



Psychoanalyse


Ziel der Therapie ist die Aufdeckung, Bearbeitung und Bewältigung bisher unbewusster Konflikte, die aus der Lebensgeschichte des Patienten und insbesondere aus der frühen Kindheit herrühren. Dazu sind Interpretationen und Deutungen, das Durcharbeiten von «Widerständen» und auch die Arbeit mit Träumen (als «Königsweg» zum Unbewussten) geeignete Mittel.

Der Therapeut benutzt dabei die Coach als Hilfsmittel, um dem Patienten die Möglichkeit zu geben, sich ungestört seinen Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen hinzugeben (der Therapeut befindet sich nicht in seinem Blickfeld, sondern sitzt hinter ihm).

Häufig dauert die gesamte Behandlung mehrere Jahre bei einer Sitzungsfrequenz von 3 bis 4 Stunden pro Woche.



Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie


Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie stellt die heute gebräuchlichste Behandlungsform in der Tradition der Psychoanalyse dar. Sie konzentriert sich ebenfalls auf die unbewussten Konflikte von Patienten, kommt jedoch mit weniger Therapiestunden, d. h. mit 1 - 2 pro Woche aus und findet im Sitzen statt. Durch die Analyse von vergangenen Beziehungserfahrungen und Konfliktmustern soll der Patient allmählich ein tieferes Verständnis von seinem lebensgeschichtlichen Hintergrund erhalten. Auch mit Hilfe von freien Assoziationen, Interpretationen, Deutungen von Träumen und dem sorgfältigen Erheben der Krankheitsgeschichte kommt der Patient in Kontakt mit zuvor unbewussten Erfahrungen und kann dann dadurch seine Probleme bewusst verarbeiten.



Gesprächstherapie


Die Gesprächspsychotherapie geht davon aus, dass Patienten durch eine «wachstumsförderliche» Gesprächssituation in der Therapie zur Selbstverwirklichung gelangen. Wenn Patienten also die bedingungslose Zuwendung, positive Wertschätzung, emotionale Wärme und Empathie eines einfühlsamen und kongruenten Therapeuten erleben, werden sie aus eigener Kraft zu einer Neueinschätzung und Bewältigung ihrer Situation fähig.

Der Therapeut versucht, die Welt des Patienten mit dessen Augen zu sehen und gibt das, was er verstanden zu haben glaubt, in eigenen Worten wieder. Dies dient dem Bewusstmachen des «wahren Selbst», ohne dass der Therapeut seinen Patienten Ziele oder Richtlinien vorgibt (weshalb diese Therapieform auch «nicht-direktiv» genannt wird).



System- und Familientherapie


Die System- und Familientherapie konzentriert sich nicht auf Einzelpersonen, sondern auf den sozialen Verbund, in dem diese leben (z. B. das Familiensystem). Ihrer Logik entsprechend entstehen Probleme durch die Art, wie die Mitglieder solcher Systeme miteinander umgehen und wie sie dort ihre subjektive «Wirklichkeit» erzeugen. System- oder Familientherapeuten setzen daher bevorzugt an folgenden Punkten an:

  • Sie geben Hilfestellung beim Erkennen von wiederkehrenden Mustern und beim Verstehen der inneren Logik des Systems. Sie arbeiten z. B. stillschweigend geltende Familienregeln heraus wie «Harmonie ist bei uns das Allerwichtigste» oder «Männer haben das letzte Wort bei wichtigen Entscheidungen».

  • Sie helfen beim besseren Nutzen brachliegender Stärken und Ressourcen z. B. wie gut die Menschen des Systems schon mit vielen Schicksalsschlägen fertig geworden sind.

  • Sie «verstören» unproduktive Interaktionsmuster des Systems z. B. durch Einsicht und Erkennen der Familienregeln, durch «Verschreiben» von Aufgaben oder durch Umdeuten von Problemen, die ja vielleicht auch einen Schutz der Familie vor noch grösserer Überforderung darstellen könnten.

Unabhängig von der Therapieform ist das Wichtigste, dass eine Vertrauensbeziehung zwischen Ihnen und der Therapeutin bzw. dem Therapeuten entstehen kann. Denn eine gute Zusammenarbeit ist die wichtigste Grundlage jeder Therapie.

Diesbezüglich können Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Erlebe ich die Therapeutin bzw. den Therapeuten als sympathisch? Stimmt die «Chemie»?

  • Erlebe ich die Therapeutin bzw. den Therapeuten als kompetent, d . h. habe ich den Eindruck, dass er/sie mir bei der Bewältigung meiner Schwierigkeiten weiterhelfen kann?

  • Nimmt die Therapeutin bzw. der Therapeut meine Anliegen, Sorgen, Beschwerden und Befürchtungen ebenso ernst wie meine Hoffnungen, Ziele, Wünsche und Erwartungen?

  • Bespricht die Therapeutin bzw. der Therapeut seine Diagnosen und Behandlungsvorschläge mit Ihnen und begründet diese?

  • Werde ich über Abläufe, Möglichkeiten und Grenzen der angebotenen Therapie hinreichend informiert?


Hilfe holen, wenn es nicht mehr geht!


Wenn Sie unter psychischen Problemen leiden, sollten Sie sich nicht scheuen, professionelle Hilfe zu holen.


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