Wenn die Psyche die Notbremse zieht - Angst, Depression und Einsamkeit

In der Corona-Pandemie fürchten die Menschen nicht nur das Virus, sondern auch etwas anderes, was krank machen kann.

Die Corona-Massnahmen mögen zwar vor einer Infektion einen gewissen Schutz bieten. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob nicht die Auswirkungen dieser Massnahmen - Abstand halten, Isolationsquarantäne, Kontaktverbote, Ausgehbeschränkungen, geschlossene Kitas und Schulen - die psychische Gesundheit von vielen Menschen langfristig weitaus grösser belastet als eine mögliche Infektion durch den Virus.


Sicher ist: Menschen sind soziale Wesen und brauchen soziale Kontakte, sonst leidet die Gesundheit. Dies weiss auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), welche Gesundheit als einen Zustand des körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens definiert.

Besonders prekär sind die Corona-Massnahmen für diejenigen, die das Gefühl haben, ohnehin schon abgehängt zu sein. Etwa Geringverdiener, Alleinerziehende, Obdachlose oder auch Risikogruppen, wozu Ältere und Menschen mit psychischen und/oder körperlichen Vorerkrankungen jeden Alters zählen. Bei sehr vielen sind die Belastungsgrenzen längst überschritten und sie leiden unter diffusen Ängsten, Einsamkeit und Depressionen.

Depressionen machen das Negative im Leben noch grösser. Sorgen, Ängste aber auch Einsamkeit und Alleinsein rücken stärker in den Fokus und bestimmen das depressive Erleben. In der eigenen Sicht ist man defizitär und eigentlich nichts wert.


Die Symptome von Depressionen sind komplex: Beeinträchtigt sind Stimmung, Antrieb, Motivation, Interessenslage, Lust und Leidenschaft. Aber auch soziale Kontakte und der berufliche Alltag können durch eine Depression stark beeinträchtigt werden.


Tipps für Menschen mit Depressionen in Corona-Zeiten

  • Achten Sie auf regelmässige Bewegung. Studien haben ergeben, dass Sport die Ausschüttung von Substanzen fördert, die sich positiv auf die Stimmung auswirken und das Selbstwertgefühl stärken. Die sportliche Aktivität sollte regelmäßig drei bis vier Mal pro Woche für 30 bis 60 Minuten stattfinden.

  • Lernen Sie, auf Ihre eigenen Bedürfnisse zu achten und sich vor Überforderung zu schützen. Sagen Sie innerlich jeden Tag zu sich selbst: „Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben. Meine Bedürfnisse sind mindestens so wichtig wie die der anderen.“

  • Eigene Stärken nicht aus den Augen verlieren. Versuchen Sie die positiven Aspekte des Lebens und Ihre eigenen Stärken in den Fokus zu rücken. Erkennen Sie Ihre eigenen - auch kleinen - Erfolge an und seien Sie stolz darauf.

  • Führen Sie ein Stimmungstagebuch und erlangen Sie dadurch Einfluss und Kontrolle über Ihre Stimmung.

  • Nutzen Sie ausschliesslich seriöse Informationsquellen: Fakten mindern Sorgen und Angstgefühle. Dabei sollten Sie ausschließlich seriöse Quellen bevorzugen und den Nachrichtenkonsum auf ein- bis zweimal täglich begrenzen.

  • Auf Denkfehler achten. Bei Depression ist immer auch das eigene Denken negativ verzerrt. Lernen Sie Ihren Denkfehlern auf die Spur zu kommen und diese zu korrigieren.


Hilfe holen, wenn es nicht mehr geht!

Wenn Sie durch die Corona-Krise depressive Symptome entwickelt haben oder wenn sich die Depression durch Corona verstärkt hat, sollten Sie sich nicht scheuen, professionelle Hilfe zu holen. Depressive Symptome sind vielfältig und müssen ernst genommen werden.

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